Titelbild Heimatbote 1980

Titelseite 1980

Titelseite HB 1980

Titelbild Heimatbote 1978

Zunder, Kienspan, Traglaternen

-Heribert Müller-

Vor 150 und mehr Jahren, als es Zündhölzer noch nicht gab, die Bürger jedoch auf das Holz als wohlfeiles Brennmaterial angewiesen waren, geschah es zuweilen, daß die Hausfrau frühmorgens, anstatt glimmender Feuerreste, nur noch die erkaltete Asche vorfand. War sie dann noch in Eile, so blieb ihr nichts anderes übrig, als sich von der Nachbarin ein wenig Glut in ein Kaseröllchen geben zu lassen, damit sie das Herdfeuer anfachen konnte. Nicht daß in ihrem Haushalt ein wichtiges Küchengerät wie der kleine Zunderkasten gefehlt hätte, nur erforderte das Feuerschlagen sehr viel Zeit und Geduld. Wurde es dann doch notwendig, schlug man Eisen und Stein solange über dem Zunder aneinander, bis durch die Funken eine Glutstelle entstanden war. Der in einem Strohwisch aufgenommene und mit diesem flugs gewedelte Glutbausch verlöschte nicht selten, noch bevor das Stroh Feuer gefangen hatte, womit die ganze Prozedur zu wiederholen war. Die Herdstelle hatte ihren Platz im Küchenraum, dem Mittelpunkt des häuslichen Lebens. An einem verstellbaren Eisenhaken hing über dem Feuer der Kessel und als Träger für weitere Kochgeräte standen eiserne Dreifüße bereit. Über dieser Koch- und Heizungsanlage breitete sich behäbig der Rauchfang aus, in dessen trichterförmigem Innenraum die Schinken und Speckseiten zwecks Räucherung untergebracht waren. Wenn am Abend die Hausleute plaudernd zusammensaßen, legte die Hausfrau besonders trockenes Holz auf, damit der Raum genügend beleuchtete war. Standen jedoch Schuhreparaturen, oder Stopf- und Flickarbeiten auf dem Programm, dann mußte schon zusätzlich ein Kienspan in Brand gesetzt werden. Aus trockenem Kiefernholz geschnitten, hatte ein solcher eine Länge von 100-150 cm und eine Dicke von etwa 5 cm. Verschiebbare Eisenhaken, entweder an der Decke hängend, oder auf einen eisernen Traggestell angebracht, dienten als Halterung für den Span, dessen Brenndauer allerdings kaum eine halbe Stunde betrug. Was die Wirtschaftlichkeit der Spanbeleuchtung anbetraf, so mußte diese schon von besonderem Vorteil gewesen sein. Nahmen díe Leute doch ihretwegen ziemlich unangenehme Begleiterscheinungen in Kauf. Vor allem entwickelte die flackernde und äußerst spärliche Flamme einen Rauch, der nicht nur Decken und Wände schwärzte, sondern auch Entzündungen an den Atemwegen und Augen der Hausbewohner hervorrief. Ein Umstand welcher hinsichtlich der niedrigen Stuben und der kleinen, oft nur aus eingemauertem Glas bestehenden Fensterchen, noch begünstigt wurde. Da waren Öllampen und Talglichter schon weit angenehmere Lichtspender. Die meist aus Zinn gefertigten Ölfunseln, entweder zum Aufstellen, oder zum Aufhängen konstruiert, ähnelten in ihrer Form kleinen Kaffeekannen,, an deren Ausguß ein zur Ölfüllung führender Docht die kleine Flamme trug. Weil aber Öl und Talg zu den Dingen zählten, welche beim Kauf ins Geld gingen, erhellte ihr besseres Licht lediglich an besonderen Festen die Stube. Die Nacht draußen auf den Gassen und Wegen war, falls der Mond nicht nachhalf, stockdunkel. Weil die Straßenbeleuchtung noch unbekannt war, nahmen die Leute auf ihren nächtlichen Gängen Talglichtlaternen mit. Wie Johanniswürmchen gaukelten die wenigen Lichtlein über dem Pflaster und der besinnliche Beschauer konnte hin und wieder eines davon solange über Wege und Felder verfolgen, bis es weitab in den Kaulen, Hecken oder Weingärten seinen Blicken entschwand.

Heimatboten-Verkauf

Wenn Sie an früheren Ausgaben des Heimatboten interessiert sind, haben Sie die Möglichkeit, am Kirmes-Sonntag Ihre Sammlung zu vervollständigen. Soweit ältere Exemplare noch vorhanden sind, bieten wir diese im Festzelt zum Verkauf an. Natürlich können Sie frühere Ausgaben der Festschrift auch während des Jahres bei unserem Archiv-Verwalter Detlef Kessler erwerben! E-mail: detlef.kessler@kige.de